Achtsamkeit und MBSR

Was bedeutet Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist zu einem Modebegriff geworden. Die Praxis und heilsame Wirkung der Achtsamkeit ist jedoch seit Tausenden von Jahren bekannt, nicht nur in Asien. Achtsam zu sein bedeutet, innezuhalten und den Moment bewusst wahrzunehmen, zu erleben, was gerade passiert, ohne sofort ein Urteil darüber zu fällen.

Sie fragen sich nun vielleicht: Was ist eigentlich so toll daran, ganz im Augenblick zu sein – womöglich auch noch, wenn dieser Augenblick sich gar nicht gut anfühlt?  Doch gerade in schwierigen Momenten und Lebensphasen ist Achtsamkeit ein großes Geschenk. Jon Kabat-Zinns Standardwerk zu MBSR trägt im Original den wunderbaren Titel „Full catastrophe living“, was in etwa bedeutet „die ganze Katastrophe leben“.  Denn an vielen Ereignissen können wir letztlich nur wenig oder gar nichts ändern – aber wir haben immer eine Wahl, wie wir damit umgehen. Genau darum geht es beim Übungsweg der Achtsamkeit.

Wenn wir unachtsam sind, sind wir nicht richtig in Verbindung mit uns selbst und Anderen, wiederholen alte, oft wenig hilfreiche Reaktionsmuster, gehen in den Widerstand und verstärken damit noch unsere Schwierigkeiten. Achtsamkeit lehrt uns, genau hinzuschauen und mit dem zu sein, was gerade da ist, ohne es zu bewerten. Paradoxerweise entsteht gerade durch das Annehmen ein Freiraum, in dem sich Dinge häufig wie von selbst verändern. Wie das gehen kann, lernen Sie im MBSR-Training.

Achtsamkeit hat zwar mit Aufmerksamkeit und Konzentration zu tun, geht aber weit darüber hinaus und schließt immer die Dimension des Herzens mit ein („heartfulness“). Die Praxis des achtsamen Gewahrseins lehrt uns auch, geduldiger, mitfühlender und freundlicher mit uns selbst und mit anderen Menschen und Lebewesen zu sein. Sie hilft uns nicht nur dabei, mit Schwierigkeiten umzugehen, sondern auch zu erkennen, was alles gut ist in unserem Leben, die schönen Momente intensiver zu genießen, uns mehr zu freuen.

 Warum MBSR?

MBSR, kurz für Mindfulness-Based Stress Reduction (Stressbewältigung durch Achtsamkeit), ist ein einfach zu erlernendes, weltanschaulich neutrales und nachgewiesen wirksames Training, das inzwischen weltweit mit großem Erfolg im Gesundheitswesen, in Unternehmen, Bildungseinrichtungen und anderen Institutionen angewandt wird. Die heilsame Wirkung von MBSR wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien erforscht.

1979 von Prof. Jon Kabat-Zinn in den USA zunächst für Schmerzpatienten und andere Menschen entwickelt, die als „austherapiert“ galten, zeigte sich schon bald, dass dieses Training auch gesunden Menschen helfen kann, den Anforderungen in Beruf und Privatleben gelassener zu begegnen,  das Leben intensiver zu (er)leben und die eigenen Ressourcen zu stärken. MBSR verbindet Methoden der Schulung von Körper und Geist, wie sie vor allem in Asien seit langem praktiziert werden (Meditation und sehr sanfte Bewegungsübungen aus dem Yoga) mit neueren Erkenntnissen aus Psychologie, Stressforschung, Kommunikations- und Neurowissenschaften.

MBSR kann zur Burnout-Prophylaxe dienen und dabei helfen, stressbedingte Symptome wie Bluthochdruck, Magenprobleme oder Schlafstörungen besser zu bewältigen.  Auch PatientInnen mit häufigen Kopfschmerzen, Hauterkrankungen, Asthma oder Herzerkrankungen können von MBSR profitieren.  Hilfreich kann das Training nicht zuletzt für Menschen in medizinischen, sozialen und pädagogischen Berufen sein, die an ihrem Arbeitsplatz besonders stark gefordert sind. Auch im Sport, in Beratung und Coaching wird MBSR zunehmend eingesetzt.

Neuere wissenschaftliche Studien und Verfahren legen nahe, dass Meditation und Achtsamkeitstraining bei regelmäßiger Übung bestimmte Gehirnareale verändern (Neuroplastizität), bis in die Zellebene hinein wirken und dabei helfen können, Alterungsprozesse zu verlangsamen.

Jon Kabat-Zinns Verdienst ist es, seit Jahrtausenden bewährtes Wissen in eine Sprache und Form übersetzt zu haben, die sich auch Menschen aus dem Westen leicht erschließt. So ist es im MBSR-Training zum Beispiel ganz normal, auf einem Stuhl sitzend zu meditieren anstatt im Schneidersitz auf dem Kissen – wobei den Übenden immer mehrere Optionen offen stehen.

 Für wen ist MBSR geeignet – und für wen nicht?

Das MBSR-Training eignet sich für alle Menschen, die ihr Leben bewusster erleben und lernen möchten, mit belastenden Situationen wie Stress in den verschiedensten Zusammenhängen, chronischen Schmerzen oder einer lebensbedrohlichen Krankheit anders umzugehen.

Nicht geeignet ist MBSR für Menschen in einer akuten körperlichen oder psychischen Krise (Depression, Psychose, Alkohol- oder Drogenmissbrauch). MBSR ist kein Entspannungsverfahren – auch wenn Entspannung eine positive Begleiterscheinung sein kann – und ersetzt keine Psychotherapie! Das MBSR-Training kann jedoch ergänzend  zu einer psychotherapeutischen Behandlung sinnvoll und hilfreich sein.

Das MBSR-Training ist weltanschaulich neutral und setzt keine besonderen Vorkenntnisse voraus – lediglich die Bereitschaft, sich auf eine spannende Entdeckungsreise, die Reise nach innen, zu begeben, und für die Dauer des Kurses regelmäßig zu Hause zu üben.